STREETKIDS International e.V.

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Interview mit Daniel Preuß

Herr Preuß, wie sind Sie dazu gekommen, den Verein STREETKIDS INTERNATIONAL e.V. zu gründen?

1999 war ich beruflich in Tansania. Auf einer Cocktailparty in der Hauptstadt Daressalam sprach mich die tansanische Sozialarbeiterin Consolata Lifa an und fragte mich – übrigens in perfektem Deutsch -, ob ich nicht etwas für ihr Land, das zu den ärmsten der Welt gehört, tun wolle. Ich kam mit ihr ins Gespräch und es dauerte nicht lange, bis ich wusste: Den Menschen in diesem Land will ich helfen! Zu der Zeit war ich IT-Manager, und die goldenen Jahre der New Economy hatten es mir ermöglicht, etwas Geld zurücklegen zu können. Gleich am nächsten Tag überwies ich ihr eine Summe, mit dem ein Haus angemietet werden konnte, in das kurz darauf die ersten Waisenkinder aufgenommen werden konnten.

Das ist jetzt zehn Jahre her. Wie ging es dann weiter?

Freunde und Bekannte in Deutschland unterstützten mich; einerseits durch Spenden, aber auch, indem sie als Multiplikatoren fungierten oder mir mit Know-how für die Erstellung einer Internetpräsenz zur Seite standen. 2001 gründete ich den Verein STREETKIDS INTERNATIONAL, um den Spendern eine steuerliche Erleichterung für ihr Engagement geben zu können. Der Verein ist mittlerweile als gemeinnützig und mildtätig anerkannt. Er unterhält drei eigene Waisenhäuser, in denen 22 Kinder leben und die aus Familien kommen, die nicht mehr in der Lage sind, sich selber um die Kleinen zu kümmern, zudem eine Produktions- und Lehrwerkstatt, in der Jugendliche zu Schreinern/innen oder Schneidern/innen ausgebildet werden.

Wer sind die Unterstützer des Vereins?

Das sind zum einen Privatpersonen, die 20, 30, 50 oder auch 100 Euro im Monat spenden. Sie wissen, dass ihre finanzielle Hilfe zu fast einhundert Prozent ankommt. STREETKIDS INTERNATIONAL hat einen Verwaltungsaufwand von weniger als 10 Prozent. Aber auch Unternehmen engagieren sich: Sie stellen sich ihrer Verantwortung der Gesellschaft gegenüber und übernehmen Patenschaften.

Wie arbeitet der Verein STREETKIDS INTERNATIONAL?

Der Verein ist einerseits in Deutschland aktiv, andererseits vor Ort in Tansania. Zur Arbeit in Deutschland gehören allgemeine administrative Tätigkeiten, wie das persönliche Betreuen und Informieren der Paten und Vereinsmitglieder, das Erstellen und der Versand der STREETKIDS POST, unseres Newsletters, Kontoführung und Buchhaltung. Hinzu kommt die Überwachung der Aktivitäten in Tansania via Telefon und E-Mail. Und wir suchen nach neuen Paten und Vereinsmitgliedern, stellen Interessenten den Verein vor.

Wie organisieren und koordinieren Sie die Arbeit in Tansania?

Die Arbeit in Tansania erledige ich in der Regel persönlich. Meine Frau unterstützt mich dabei organisatorisch, oft begleitet sie mich auch. Jedes Mal, wenn ich nach Tansania fahre, nehme ich Kleidung, Schulrucksäcke, Schreibmaterial und Spielsachen für die Kinder mit. Vor Ort kontrolliere ich die Haushaltsführung in den Waisenhäusern. Ich spreche mit den Lehrern, um zu erfahren, wie die Leistungen der Kinder in der Schule sind. Wenn weitere Kinder in eines der beiden Waisenhäuser aufgenommen werden sollen, besuche ich deren soziales Umfeld, um sicherzugehen, dass sie wirklich keine Familienangehörigen mehr haben, die sich um sie kümmern können. Und ich akquiriere Personal und freiwillige Helfer vor Ort.

Wofür werden die Spendengelder eingesetzt?

Für Essen, für medizinische Betreuung und für Schule und Ausbildung. Für Medikamente gegen Malaria, Entzündungen, Hautkrankheiten, Vitamine für unterernährte Kinder, für Antibiotika und Verbandsmaterial. Für die Begleichung der Miete, für die Entgelte der Pflegemütter, für Hausreparaturen, für die Instandsetzung der Wassersysteme. Für notwendige Anschaffungen wie Kerosin für Licht, Öl zum Kochen, für eine Menge Wasser. Und für Autos, um all das auch transportieren zu können.

Tansania gilt als Land, in dem Korruption das gesamte Staatssystem durchzieht. Wie ist die Zusammenarbeit mit den Behörden?

Die Korruption eines der größten Probleme Tansanias und sie schadet natürlich besonders den Armen. Natürlich behindert sie auch unsere Arbeit: Budgets für den Neubau eines weiteren Waisenhauses, für die Aus- und Weiterbildung der Kinder oder für die medizinische Versorgung müssen mit den Behörden ständig neu diskutiert, Vorgehensweisen permanent neu geklärt werden. Selbst der offizielle Status des Vereins, seine Gemeinnützigkeit und Mildtätigkeit, steht ständig zur Debatte und muss wieder verhandelt werden, denn Behördenmitarbeiter versuchen sich Geld zu ergaunern, indem sie aus heiterem Himmel neue Vorschriften und Regularien definieren, die letztendlich auf eine Bestechung hinauslaufen. Trotzdem versuchen wir im Interesse unserer Kinder immer, genau dies zu vermeiden.